Tipps für Teamleiterinnen und Teamleiter: Gelingende Beziehungen sind essenziell!

Gute, gelingende Beziehungen sind ein menschliches Grundbedürfnis. Das ist wohl das am besten erforschte Bedürfnis überhaupt. Dazu gibt es unzählige Studienergebnisse. Chronische, wirklich Einsamkeit oder chronisch schlechte Beziehungen können wirklich krank machen. Was für den Menschen grundsätzlich gilt, muss auch in der Arbeitswelt gelten. Doch was können Teamleiterinnen und Teamleiter tun, um die Beziehungen im Team zu stärken und für noch bessere Beziehungen zu sorgen?


Wenn wir einander besser kennen, sind auch bessere Beziehungen möglich

Gute, gelingende Beziehungen setzen voraus, dass wir einander kennen. Und damit ist durchaus auch gemeint, mehr über die Person zu wissen, als das, was nur gerade die Arbeit betrifft. Sie finden unten in diesem Beitrag ein Werkzeug zum kostenlosen download, dass Sie als Teamleiter:in dabei unterstützen kann.


In guten, gelingenden Beziehungen vertrauen wir einander.

Schenkt Ihnen Ihre Vorgesetzte Vertrauen? Woran merken Sie das? Wie zeigt sich das im Alltag? Und was genau macht dieses "Vertrauen schenken" mit Ihnen? Vertrauen schenken fördert die Arbeitsleistung, fördert das Selbstvertrauen und fördert das Engagement. Misstrauen dagegen bremst, macht unzufrieden und hindert uns daran, mutig und engagiert auch einmal neue - vielleicht sogar bessere - Wege zu gehen.


In einer Studie hat Paul J. Zak (2017) folgende Effekte herausgefunden, die in Unternehmen mit hohen Vertrauenswerten vorherrschen (im Gegensatz zu Unternehmen mit tiefen Vertrauenswerten):



  • bis zu 75% tiefere Stresswerte

  • doppelt so hoher Energieeinsatz in der Arbeit

  • bis zu 13% weniger Krankheitstage

  • eine äusserst positive Auswirkung auf die allgemeine Lebenszufriedenheit

  • bis zu 40% weniger Fälle von Erschöpfungsdepressionen bzw. Burn-Out.


Tipp 1 für Teamleiterinnen und Teamleiter: Misstrauen erkennen

Als Teamleiter:in können Sie ganz konkret auf Misstrauensindikatoren achten. Das ist der erste Schritt, um sich ein Bild über die Vertrauenskultur im Team zu machen. Hier einige Beispiele für Indikatoren, die auf ein mögliches Misstrauen hinweisen:


  • Viele cc's in E-Mails, die eigentlich nicht sein müssten

  • Man gibt sich künstlich "positiv". Fehler werden nicht zugegeben, aus Fehlern wird nicht gelernt. Vielleicht werden Fehler sogar "unter den Teppich gekehrt" oder Situation als übertrieben positiv dargestellt, obwohl sie es nicht sind.

  • Alles muss schriftlich sein - das Wort allein genügt nicht mehr

  • Es wird "hinter dem Rücken anderer" geredet.

  • Man glaubt nicht, dass Peter schon wieder krank ist... der macht sicher nur blau.

  • Zu allem wird nur noch "Ja" gesagt. Es gibt keine kritischen Meinungen mehr.

  • Man kontrolliert einander.

  • Vieles wird bürokratisiert: Neue Checklisten, neue Kontrolltools...

  • Das Meetingprotokoll wird im Detail zerzaust...

  • etc.


Tipp 2: Wenden Sie sich den folgenden vier Aspekten zu, die Vertrauen bilden können


Wie oftmals in der Führungsarbeit kann es zu Beginn einer gewünschten Veränderung erst einmal unbequem werden. Die Arbeit beginnt bei Ihnen als Teamleiterin/Teamleiter. Um Vertrauen zu stärken oder zu entwickeln könnten Sie sich als erstes mit diesen vier zentralen Themen beschäftigen und die Fragen erst einmal für sich selbst beantworten:


Wie steht es um Ihre Glaubwürdigkeit?

Was denken Sie? Wie steht es um Ihre Glaubwürdigkeit in Ihrer Führungsrolle? Die folgenden Reflexionsfragen können Ihnen bei der Selbsteinschätzung helfen:

  • Wie ehrlich bin ich?

  • Hat das, was ich kommuniziere, Hand und Fuss? Oder versuche ich, mit Floskeln auszuweichen?

  • Wie gehe ich damit um, wenn ich etwas gefragt werde und noch nicht kommunizieren darf? Verliere ich mich in vagen, allgemeingültigen Aussagen oder habe ich den Mut zu sagen, dass ich es noch nicht sagen darf?

  • Handle ich so, wie ich es auch von anderen verlange?

  • Mache ich auch, was ich sage?


Wie steht es um Ihre Zuverlässigkeit?

Hier einige Reflexionsfragen:


  • Bin ich pünktlich?

  • Halte ich Vorgaben und Deadlines ein? Wie kommuniziere ich, wenn ich einmal etwas nicht einhalten kann?

  • Wie gehe ich damit um, wenn beispielsweise eine Mitarbeiterin in einer persönlichen Krise steckt?

  • Halte ich, was ich verspreche?


Wie steht es um Ihre Kompetenz?

  • Wissen Sie, wer im Team etwas besser kann als Sie selbst? Und nutzen Sie diesen Kompetenzvorsprung auch?

  • Gibt es Aufgaben, die Sie erledigen müssen, bei denen Sie sich eigentlich zu wenig kompetent fühlen?

  • Was ist Ihre Meinung: Müssen Sie alles wissen und/oder können, damit Sie Kompetenz ausstrahlen können?

  • Haben Sie eine Vorstellung davon, welche Kompetenzbereiche (fachliche oder persönliche) Sie bei sich weiterentwickeln wollen?

  • Wie gehen Sie gegenüber Ihren Mitarbeiter:innen damit um, wenn Ihnen eine Kompetenz fehlt? Wenn Sie etwas nicht wissen oder können? Können Sie dann dazu stehen?

Tipp 3: So können Sie Misstrauen verkleinern


Die folgenden Möglichkeiten und Tipps könnten Sie prüfen und anwenden. Damit kann es Ihnen gelingen, das Vertrauen zu stärken und allfälliges Misstrauen zu schwächen:


  1. Führung ist nicht nur Management, organisieren, kontrollieren etc. Führen ist auch Beziehungsarbeit.

  2. Sprechen Sie im Team das Thema "Vertrauen" an. Bennen Sie im Team oder in Einzelgesprächen, wie und in welchen konkreten Situationen Sie Misstrauen beobachtet haben.

  3. Arbeiten Sie mit dem Team an gemeinsamen Werten und einem gemeinsamen Zielverständnis. Und Werte sollten keine Lippenbekenntnisse sein. Sprechen Sie auch darüber, wie sich gemeinsame Werte und ein gemeinsames Zielcommittment im Alltag zeigen soll. Gerade bei derartigen Themen kann sich unter Umständen eine externe Moderation lohnen.

  4. Lernen Sie, sich zu entschuldigen, wenn Sie einen Fehler gemacht haben oder berechtigte Vorwürfe an Sie getragen werden.

  5. Hören Sie Ihren Mitarbeiter:innen bewusst zu. Als Leader:in sind Sie auch Zuhörerin bzw. Zuhörer. Führungspersonen, die gelernt haben zuzuhören, lernen nicht nur viel über sich selbst, sondern auch über die Menschen im Team und über Ideen, Verbesserungsvorschläge etc. Das sind echte Potenziale zu Verbesserung der Teamleistung und zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit.

  6. Beweisen Sie Ihre eigene Zuverlässigkeit. Und wenn Sie einmal nicht zuverlässig sein können (zum Beispiel Terminverschiebungen): Dann informieren Sie rechtzeitig und transparent.

  7. Leben Sie Transparenz. Teilen Sie - wenn immer möglich - ihr Wissen mit den Menschen im Team. Im Zweifel geht auch: "Das darf ich euch leider im Moment noch nicht mitteilen. Ende Monat wisst ihr aber mehr über die geplante Reorganisation."

  8. Sehen Sie die Erfolg der Einzelnen und des Teams? Sprechen Sie diese an. Feiern Sie Erfolge! Auch wenn es nur kleine sind.

  9. Hat man einmal Ihr Vertrauen enttäuscht? Dann dürfen Sie das ansprechen. Auf jeden Fall sollte es in der Regel kein Grund sein, zukünftig nicht mehr zu vertrauen.

  10. Haben Sie möglicherweise einen Fehler begannen und Ihr Vertrauen verspielt? Dann hilft eine offene und ehrlich gemeinte Entschuldigung. Und vielleicht haben Sie sogar eine Idee, wie Sie die Situation "wieder gut machen" können? Auch wenn es nur ein kleines Zeichen ist.


Tragen Sie aktiv zu guten Beziehungen bei: Lernen Sie einander besser kennen.

Als Teamleiterin können Sie aktiv dazu beitragen, dass sich die Menschen im Team etwas besser kennen lernen. Sie können Raum dafür schaffen, in dem Sie beispielsweise in Teamsitzungen oder im Rahmen einer von Ihnen geleiteten Teamentwicklung dem gegenseitigen kennen lernen eine Chance geben. Und ja, das lohnt sich nicht nur bei neuen Teams oder wenn neue Teammitglieder dazugestossen sind, sondern auch bei Teams die in dieser Form bereits länger zusammenarbeiten. Hier finden Sie ein Tool, das Sie dabei unterstützen kann zum kostenlosen Download. Viel Spass!


Kostenloses Tool zum Download: So lernen sich die Menschen im Team noch besser kennen.