Gibt es eine Methode zur "Entstressung"?

Aktualisiert: März 24


Unser Gedankenkarussel dreht sich unaufhörlich. Man liest, dass ein Mensch um die 60'000 Gedanken pro Tag denkt. Viele davon seien immer ähnlich. Neurowissenschaftler gehen davon aus, dass man nicht nicht denken kann. Gedanken kommen und gehen. Doch was ist das schon dabei, werden Sie sich vielleicht fragen?



"Ich muss viel leisten, sonst verliere ich meinen Job" könnte so ein Gedanke sein. Doch wo kommt er her? Wie ist er entstanden? Und stimmt das wirklich? Wenn wir einem Gedanken glauben schenken, wenn wir ihn als wahr anerkennen, dann kann das ungute Gefühle auslösen. Der Gedanke wir dann quasi zum Dogma, zu einem Glaubenssatz und beeinflusst nicht nur unsere Gefühle und unsere Stimmung, sondern ebenso unser konkretes Verhalten. Manchmal sind wir uns dieser Gedanken gar nicht bewusst. "Sie sind einfach so da, diese Gedanken". Ob bewusst oder unbewusst: Diese Gedankenmuster haben grosses Potenzial, in uns Stress, Ärger, Wut und andere unangenehme Gefühle auszulösen.



Vielleicht ist Ihnen bereits ein Gedanke eingefallen, dem Sie einfach so Glauben geschenkt haben und der Sie hemmt oder unzufrieden macht. Davon gibt es unzählige. Zum Beispiel:


  • Das Leben ist kein Ponyhof

  • Das Leben ist hart

  • Ich muss immer stark sein

  • Ich muss mich anpassen, um gemocht zu werden

  • Dafür bin ich zu alt

  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

  • Ich bin nicht gut genug

  • Ich sollte schneller arbeiten

  • Ich muss Sport treiben

  • Ich muss... ich sollte....

  • und viele andere mehr



Die Amerikanerin Byron Katie hat eine Methode entwickelt, mit der man eigenen negativen und belastenden Gedanken auf die Schliche kommen kann und hat die Methode "The Work" genannt. Das ist auf der einen Seite ein strukturiertes Verfahren, lässt aber auf der anderen Seite auch Raum, seiner Intuition wieder Vertrauen zu schenken und führt häufig zu frappanten Erkenntnissen.


Ist das wahr? Ist das wirklich wahr?

Da wir alle unsere eigenen, individuellen Gedanken haben, nehmen wir auch alle die Welt unterschiedlich war. Die einen sehen den coolen Typen aus dem Tennisclub als Freund, die anderen als Feind. Doch was ist nun wirklich wahr? Gibt es da so etwas wie eine Wahrheit?




Die Methode "The Work" widmet sich einem Gedanken mit vier einfachen Fragen. Im Kern der Methode geht es darum, einen Gedanken zuerst einmal auf seinen Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. Ich will Ihnen das an einem Beispiel erklären.



Sandra ist Teamleiterin in der Patientenadminstration in einer Klinik. Sie arbeitet viel, leistet unzählige Überstunden und ist dann am Abend jeweils fix und fertig. Im Coaching erzählt sie

, dass sie für Ihre Arbeitsleistung zu wenig Wertschätzung erfahre. Sowohl von ihrer Vorgesetzten wie auch von den anderen aus dem Team. Diese gingen sowieso meistens pünktlich nach Hause. Aber sie findet, es gäbe immer etwas zu tun. Man könne ja noch etwas aufräumen, oder die Ablage neu organisieren. Dinge halt, die während des Tagesgeschäftes nicht möglich sind. Hinter ihrem Verhalten steckt der Gedanke "Ich muss viel arbeiten, sonst bin ich zu wenig wertvoll". Was für die einen ein unsinniger Gedanke ist, ist für Sandra Teil ihres Lebens. Sandra widmet sich im Coaching diesem für sie negativen Gedanken mit der Methode "The Work" in vier Schritten.


The Work: Erster Schritt

Als erstes stellt man sich die Frage, ob der Gedanke wahr ist. "Ist das wirklich wahr" ist eine gute Frage, um den Gedanken zu prüfen. Sandra glaubt den Gedanken. Sie wird also die Frage mit "ja" beantworten. Für sie selbstverständlich: Schliesslich wurde sie so erzogen. Der Gedanke "Ich muss viel arbeiten, sonst bin ich zu wenig wertvoll" wurde tief in ihr Gehirn eingegraben. Ihre Eltern haben es ihr auch noch entsprechend vorgelebt.


The Work: Zweiter Schritt

Die zweite Frage der Methode "The Work" lautet: Kannst du zu 100%, absolut sicher sein, dass dein Gedanke wahr ist? Für Sandra lautet die Frage also: Kannst du absolut, zu 100% sicher sein, dass du zu wenig wertvoll bist, wenn du nicht viel arbeitest? Sie merken es sicher schon: An diesem Punkt wird Sandra unsicher. In ihr taucht das dumpfe Gefühl auf, dass Sie möglicherweise nicht zu 100% sicher sein kann. Weshalb sollte sie weniger wertvoll sein, wenn sie weniger arbeitet?


The Work: Dritter Schritt

In einem dritten Schritt kann man sich folgendes überlegen: Wie reagiere ich, wenn ich diesen Gedanken glaube? Welche Gefühle entstehen in mir? Wie wirken sich diese aus? Habe ich sogar Körperempfindungen dabei? Bringt dieser Gedanke Frieden oder Stress in mein Leben?


The Work: Vierter Schritt

Was wäre, wenn du diesen Gedanken nicht glauben würdest? Der Gedanke verschwindet zwar nicht augenblicklich. Aber man kann sich trotzdem die Frage stellen, "was wäre, wenn....?". Welche Handlungsimpulse wäre dann dan? Was würde ich anders tun? Wie ginge es mir dabei?


Sandra benannte im Schritt 3 Gefühle wie Anspannung, Druck, Zwang. Sie fühlte dabei ein beklemmendes Gefühl in ihrer Brust. Im vierten Schritt begann sie aufzublühen: "Ich würde mich freier fühlen, würde am Abend auch mit den anderen Feierabend machen und zu Hause den Abend mit meinem Partner geniessen"



Viele stressige Gefühle haben ihr Ursache in unseren Gedanken, denen wir glauben schenken. Gedanken, die uns dann belasten, Stress auslösen; Gedanken, die wir ungeprüft als "richtig" wahrnehmen. Mit der Methode "The Work" von Byron Katie wurde ein wunderbare Möglichkeit geschaffen, diesen "Denkfehlern" auf die Schliche zu kommen. Oftmals durchschauen Menschen im Coaching diese Gedanken und lachen anschliessend darüber. Sie durchschauen, dass der problematische Gedanke gar nicht wahr ist. Und dann beginnt sich oft plötzlich und schnell die "Wahr"nehmung zu ändern. Was vorher wahr war, ist es nun nicht mehr.



Ja, das geht oftmals sehr gut. Dazu gibt es auch bereits einige Videos mit Inputs und natürlich die Bücher von Byron Katie. Es kann sich aber auch lohnen, The Work in einem Coaching oder online-Coaching durchzuführen. Die Inputs und Fragen einer Drittperson, in diesem Fall eines Coaches, sind oftmals sehr effizient und führen schneller zum Ziel. Hilfreich können auch die Lebenskarten von Barbara Völkner sein. Hier erfahren Sie mehr dazu.



Wie kann ich "The Work" sonst noch unterstützen?

Erlaubt ist, was gut tut! Ist man einmal einem Gedankenmuster oder einem belastenden Gedanken mit "The Work" auf die Schliche gekommen, dann kann sich zwar die Situation entspannen. Es besteht aber doch immer noch ein gewisses Risiko, wieder in alte Muster zurückzufallen. Dann helfen unterstützende Methoden aus der Positiven Psychologie, dem Zürcher Ressourcenmodell und der PSI-Theorie gut weiter.


Sind Sie beim Lesen dieses Beitrags auch auf ein "Gedanken-Dogma" gestossen? Probieren Sie "The Work" aus. Das tut gut! Viel Spass und Erfolg!


Christoph Dobler | hello@mindboxplus.ch | 079 701 24 31




Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

© 2021 bedos GmbH

Kontaktieren Sie uns:

Tel +41 (0)32 637 07 30

hello@mindboxplus.ch

 

Postadresse: 

Schulhausstrasse 15

CH-4535 Hubersdorf/Solothurn

mindboxPlus Christoph Dobler