Weil es das Eine nicht ohne das Andere gibt...

Aktualisiert: Jan 16

Ohne "Nacht", keinen "Tag". Ohne "hell", kein "dunkel". Das eine gibt es nicht ohne das andere. Dieses Prinzip zieht sich durch alle Lebensbereiche. Sind Sie sich dessen bewusst? Doch nun der Reihe nach...


Aus meiner Sicht handelt es sich bei diesen Überlegungen (oft auch "Polarität" genannt), um das Grundprinzip allen Lebens. Der Polarität begegnen wir in allen Disziplinen der Wissenschaft gleichermassen wie in philosophischen Schriften und Weltreligionen. In verschiedenen Formen wird es seit Jahrtausenden beschrieben. Doch was genau ist mit Polarität gemeint? Vereinfacht gesagt, geht es um eine Welt der Gegensätze. Wir leben nicht in einer Welt der Einheit und können diese auch nicht beschreiben. Erst die Polarität, bzw. die Gegensätze, machen unsere Welt erklärbar. So leben wir also in einer Welt der Gegenpole, wo "gross" zu "klein" gehört und "gut" erst durch "böse" definiert werden kann. Religionen und Philosophien aller Welt und Zeiten beschreiben diese Welt der sich ergänzenden Gegensätze. Man denke dabei beispielsweise an Yin und Yang, die erst gemeinsam das Tao, also die Ganzheit, bilden. Beide Seiten der Polarität bedürfen einander und sind dann nur zusammen ganz und eins. Die Erfahrung dieser Polarität macht unser Leben aus. Wir einen Ball werfen will, muss sich den Schwung dafür vom Gegenpol holen. Er wird also zuerst mit dem Arm nach hinten ausholen, um den Ball dann möglichst weit zu werfen. Wie könnten wir uns etwas Kleines vorstellen, wenn es nicht noch etwas Grösseres gäbe? Was wäre „hoch“ ohne „tief“? Was wäre „reich“ ohne „arm „ ? Wie könnten wir ausatmen ohne vorher einzuatmen? Jede Türe ist zugleich immer auch ein Ein – wie auch ein Ausgang. Allerdings je nach Blickwinkel. Manchmal nehmen wir nur eine Seite wahr. Unsere Welt ist eine Welt der Gegenseite. Und alle Pole gehören immer zusammen. Zum geboren werden gehört der Tod, zum Schlafen das Wachsein.


Aber was hat das jetzt mit Führung oder Persönlichkeitsentwicklung zu tun?

Diese Frage stellen Sie sich möglicherweise. Um Sie beantworten zu können, lassen Sie mich noch einige Gedanken anführen


Lebende Systeme – und davon sprechen wir hier – tendieren im Rahmen dieser Polarität dazu, den Ausgleich zu finden. Im Zentrum steht ein dy­namisches Fliessgleichgewicht. Gleichge­wicht in allen Bereichen der Arbeit und des Lebens generell können Sie als Ziel für sich und die Organisation verstehen. Gleichgewicht – oder «Homöodynamik», wie wir es hier auch nennen – ist auch ein Grundprinzip des Lebens. «In dynamischen Systemen strebt alles nach Ausgleich» ist eine Grundidee vieler wissenschaftlicher Disziplinen. Die Idee der Homöostase/Homöodynamik findet sich in der Biolo­gie, der Psychologie, der Chemie, in den Wirtschaftswissenschaften und in anderen Fachrichtungen gleichermassen. Auch in philosophischen Schriften findet sich der Gedanke, dass alles immer wieder in seine Mitte finden muss – ins Gleichgewicht eben. Das Streben nach Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts ist also das Grundprinzip des Lebens. Dabei ist der Begriff „Gleichgewicht“ allerdings nicht statisch zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um ein dynamisches Gleichgewicht. Der Seiltänzer, der im Gleichgewicht ist um nicht herunterzufallen, ist in Tat und Wahrheit immer in Bewegung. Muskelbewegungen – auch noch so kleine und feine – helfen, das Gleichgewicht herzustellen und zu erhalten. Wäre der Seiltänzer in einem „unbewegten“ statischen Gleichgewicht, würde er augenblicklich vom Seil fallen. Die dynamischen Bewegungen stellen also das Gleichgewicht her. Deshalb scheint der Begriff Homöodynamik auch passender zu sein als Homöostase. In der Literatur werden die beiden Begriffe oft synonym verwendet.

Von der einzelnen Zelle bis zur ganzen Gesellschaft versucht die Natur, alle Störungen zu kompensieren und das stabile, „dynamische“ Gleichgewicht wiederherzustellen, um zu dem Funktionsspektrum zurückzukehren, das jeweils normal oder erwartbar ist. Im Gleichgewicht funktionieren also alle Systeme so, wie sie gedacht sind, damit sie ihren Zweck erfüllen können. Findet ein lebendes System nicht zu seinem Gleichgewicht, sind Funktionsstörungen die Folge. Und wenn nun das Ungleichgewicht im System zu stark wird und lang genug bestehen bleibt, hat das unweigerlich den Tod des Systems zur Folge.


Polarität in den Naturwissenschaften

Das Prinzip der Polarität findet sich an vielen Orten in den Naturwissenschaften. Chemiker gehen davon aus, dass Salz nur entstehen kann, wenn die beiden Gegenpole Säure und Base zusammenkommen. Die Vererbung folgt ebenfalls dem Muster der Polarität: durch das weibliche X und das männliche Y Chromosom. Der Magnet lebt vom Nordpol und vom Südpol. Und zu jedem Elektron gehört ein Positron. Die Liste liesse sich noch beliebig weiterführen.


Polarität in der Betriebswirtschaft

Doch auch in der Betriebswirtschaft zeigt sich das Grundprinzip der Polarität. Ökonomen sprechen gerne von sogenannten Opportunitätskosten und meinen damit den entgangenen Nutzen, wenn man sich zwischen verschiedenen Optionen einer Entscheidung beschäftigt. Wer sich also beispielsweise für die Investitionen A entscheidet, dem entgeht ein Nutzen, der aus der Investition B entstanden wäre.


Alles hat einen Preis!

Was immer wir Menschen also tun, wofür wir uns auch immer entscheiden: es gibt immer einen Gegenpol. Dies erscheint auf den ersten Blick als eine Binsenweisheit, hat aber auf den zweiten Blick viel Potenzial für ein besseres Verständnis. Egal, ob es sich um eine Investition in einem Unternehmen, um einen Führungsentscheid oder um eine ganz persönliche Entscheidung handelt. Alles hat einen Preis. Es sei dies in Form von Geld oder in Form von Verzicht auf etwas anderes oder in Form von entstehenden Konsequenzen oder vielleicht auch von allem gemeinsam. Das Grundverständnis des Prinzips der Polarität kann helfen, sich dessen auch in der Praxis immer wieder bewusst zu werden.


Ich lade Sie ein, sich bei zukünftigen Entscheidungen dieses Grundprinzips der Polarität bewusst zu werden. Es kann helfen, Entscheidungen mit Bedacht zu fällen und sich bereits im Voraus der Konsequenzen klar zu werden. Entscheidungen fallen dann oft leichter und es wird vielleicht sogar einfacher, bei seinen Entscheidungen zu bleiben, dazu zu stehen und bei "Gegenwind" nicht davon abzuweichen.


Viel Erfolg!


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